In Erinnerung an Ruth Ursel Henning (1942–2022)

In Erinnerung an Ruth Ursel Henning (1942–2022)

Am 17. Dezember 2022 verstarb Ruth U. Henning, Redakteurin, Übersetzerin und Autorin von Publikationen zu deutsch-polnischen Themen, Urheberin zahlreicher deutsch-polnischer Projekte. In den 90. Jahren arbeitete sie mit dem DPJW eng zusammen. Iwona Kotelnicka, die ehemalige Leiterin des Koordinationsreferats im DPJW-Büro Potsdam, berichtet über ihre Person und ihre Engagement.

Seit 1980 pflegte Ruth Henning Kontakte zur demokratischen Opposition in Polen und beteiligte sich am Komitee „Solidarität mit Solidarność”. 2010 wurde sie mit der Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Zentrums Solidarność ausgezeichnet.

In den 90er Jahren war sie Geschäftsführerin der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg. Ihr Büro befand sich damals in den Räumlichkeiten des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW/PNWM) in Potsdam. Zu jener Zeit begann die institutionelle Zusammenarbeit beider Organisationen und für unser deutsch-polnisches Team auch eine langjährige inspirierende Freundschaft.

Ruth Henning führte viele Projekte durch, manche in Kooperation mit dem DPJW. In Erinnerung bleiben z.B. Konferenzen über den Rechtsextremismus, den Umgang mit der neuesten Geschichte der DDR und Volksrepublik Polen, über das Leben von Sinti und Roma, zur Medienlandschaft in beiden Ländern, Vortragsreihen, wie z.B. über den deutsch-polnischen Jugendaustausch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts oder zu slawischen Spuren in Brandenburg, schließlich Bildungsreisen für Journalisten und Politiker entlang der künftigen EU-Grenze, auch in die Ukraine. Auch den Spracherwerb in deutsch-polnischen Tandems förderte sie. In der Potsdamer Zeit brachte Ruth Henning ein mehrbändiges verlegerisches Projekt zustande – das zweisprachige Bulletin Transodra, wo wichtige Debatten (wie die über Jedwabne), Pressestimmen, auch aus der lokalen Presse beiderseits der Oder dokumentiert wurden.

Es ist heute schwer zu beschreiben, wie viel wir Ruth Henning in dieser Gründerzeit des DPJW verdanken – das waren Gespräche, in denen neue Ideen aufkeimten. So lernten wir interessante Menschen kennen, die später zu Seminaren und Workshops eingeladen werden konnten.

In Ruth Hennings Wohnung in Prenzlauer Berg begegnete man vielen Gästen aus Polen, mal waren es befreundete Journalisten, ein anderes Mal Studenten aus Toruń, die hier übernachten durften. Eine natürliche Gastfreundschaft, außerordentliche Aufgeschlossenheit nicht nur für andere Kulturen, sondern auch für Menschen verschiedener Berufsgruppen und Generationen prägten die warme Atmosphäre in Ihrem Zuhause. Mit Dankbarkeit gedenken wir Ruths Herzlichkeit, Freundlichkeit, Ihres Engagements und Ihrer Freundschaft.

Am 30. Januar um 12 Uhr verabschieden wir Ruth Henning auf dem Friedhof der Georgen–Parochialgemeinde in Berlin.

Iwona Kotelnicka