Die Kampagne #StolenMemory als deutsch-polnisches und trilaterales Bildungsprojekt

Die Kampagne #StolenMemory als deutsch-polnisches und trilaterales Bildungsprojekt

„Die Kampagne #StolenMemory als deutsch-polnisches Bildungsprojekt“ ist eine gemeinsame Initiative des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) und der Arolsen Archives – internationales Zentrum über NS-Verfolgung. Dank der finanziellen und inhaltlichen Unterstützung durch das DPJW können Jugendliche aus Deutschland, Polen und anderen Ländern zusammenkommen, um gemeinsam die Schicksale von Inhaftierten von NS-Konzentrationslagern nachzuverfolgen und deren persönliche Gegenstände an noch lebende Angehörige zu übergeben. Bei einer solchen Jugendbegegnung befassen sie sich nicht nur mit der Geschichte des Nationalsozialismus, sondern halten auch die Erinnerung an seine Opfer wach.

Wie kann man an der Kampagne teilnehmen?

Die Teilnahme an der Kampagne #StolenMemory ist sowohl über das DPJW-Programm „Wege zur Erinnerung“ als auch im regulären Förderverfahren möglich.

Das DPJW und die Arolsen Archives haben die Kampagne #StolenMemory als Bildungsprojekt mit vier Modulen konzipiert. Die einzelnen Module bieten verschiedene Möglichkeiten der Projektdurchführung, die miteinander kombiniert werden können. Dazu gehören: Nachforschungen unter Nutzung von Recherchetools und -materialien der Arolsen Archives, Spurensuche am Ort des historischen Geschehens, Begegnungen mit Familien der Opfer sowie das Dokumentieren und Veröffentlichen der Rechercheergebnisse.

In der Broschüre „Die Kampagne #StolenMemory als deutsch-polnisches Bildungsprojekt“, die in der rechten Spalte zum Download bereitsteht, werden die einzelnen Module und die Angebote der Arolsen Archives für die Recherche- und Biografiearbeit vorgestellt.

 

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Was ist #StolenMemory?

Die Kampagne #StolenMemory wurde 2016 von den Arolsen Archives ins Leben gerufen. In den Archiven befinden sich persönliche Gegenstände von Opfern nationalsozialistischer Verfolgung. Mit Hilfe von Freiwilligen wird versucht, Angehörige zu ermitteln und ihnen die Erinnerungsstücke zurückzugeben. Die Teilnahme an der Kampagne steht allen interessierten Personen offen.

Exklusiver Zugang zu Archiv und Erinnerungsstücken

Die Arolsen Archives stellen den Teilnehmenden der Kampagne nicht nur eine umfangreiche Sammlung von Archivdokumenten zur Verfügung, sondern auch 2500 persönliche Gegenstände, sogenannte Effekten. Hierzu gehören Uhren, Schmuck, Fotos und Alltagsgegenstände – Erinnerungsstücke, die den während des Zweiten Weltkriegs verhafteten und in Konzentrationslager deportierten Menschen geraubt worden waren.

Anhand der Materialien können die Jugendlichen

  • die persönlichen Geschichten der Opfer nachverfolgen
  • den gesellschaftspolitischen Kontext des Nationalsozialismus verstehen
  • der Opfer gedenken und sich an der Suche nach deren Angehörigen beteiligen

Seit 2016 ist es Freiwilligen aus ganz Europa gelungen, die Familien von über 800 Opfern ausfindig zu machen und Angehörigen deren letzte Erinnerungsstücke zurückzugeben.

Lokalhistorischer Bezug

In den Arolsen Archives befinden sich unter anderem

  • mindestens 900 Gegenstände aus dem Besitz polnischer Opfer – von Zivilisten, Angehörigen des Widerstands, Inhaftierten von Konzentrationslagern, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern
  • sowie 600 Gegenstände deutscher Opfer der NS-Verfolgung.

Dies ermöglicht Projekte mit lokalhistorischem Bezug – die Jugendlichen können sich mit dem individuellen Schicksal konkreter Personen aus ihren eigenen Regionen auseinandersetzen und ihr Wissen weitergeben.

Unterstützung bei der Suche: Interaktive Landkarte und Internetseite

Eine spezielle interaktive georeferenzierte Karte gibt Hinweise auf den Geburtsort und den letzten Aufenthalts- bzw. Wohnort der Besitzerinnen und Besitzer eines Gegenstandes. Die Karte enthält fast 1500 markierte Orte sowie Informationen darüber, ob die Familie der Besitzerin oder des Besitzers noch gesucht wird oder bereits ermittelt werden konnte.

Außerdem haben die Arolsen Archives die Internetseite stolenmemory.org erstellt, die den Jugendlichen Animationsfilme und Webstories an die Hand gibt. Lehrkräfte und Betreuer/-innen finden auf der Seite zudem kostenfreie Bildungsmaterialien zur Arbeit in Schulen oder außerschulischen Projekten.

 

 

Mehr zu #StolenMemory

Weitere Informationen zu #StolenMemory finden Sie hier:

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Arolsen Archives.

#StolenMemory als Wanderausstellung an Standorten in Deutschland und Polen

Arolsen Archives präsentieren die Wanderausstellung an Standorten in Deutschland, Polen und weiteren Ländern. Aktuelle Termine finden Sie hier.

Wir laden Sie herzlich ein, die Ausstellung im umgebauten Container kostenlos an Ihre Schule / Einrichtung zu holen. Kontaktieren Sie bitte dazu mit einem längeren Vorlauf die Arolsen Archives.

Übergaben von Erinnerungsstücken an Familien von NS-Opfern

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Warschau (2025)

Am 20. März 2025 übergaben Jugendliche aus Deutschland, Polen und der Ukraine in Warschau eine Brosche und den Ehering von Zofia Mościcka an deren Enkelin Elżbieta Kruszyńska. Zofia Mościcka war in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern Ravensbrück und Neuengamme inhaftiert gewesen. Die feierliche Übergabe war Ergebnis eines gemeinsamen Rechercheprojektes der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen, des I Lyceum Ogólnokształcące in Łańcut und des Liceum Nr. 53 in Kyjiw.

Mehr zur Übergabe der Erinnerungsstücke hier.

Ausführlichere Informationen zur Suche nach der Familie von Zofia Mościcka auf der Internetseite der Arolsen Archives.

Bad Oldesloe (2024)

Dank der Recherchearbeit von Schülerinnen und Schülern der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe und der Poznańska Ogólnokształcąca Szkoła Muzyczna II stopnia im. M. Karłowicza konnten am 8. November 2024 in Bad Oldesloe zwei Erinnerungsstücke an die Familie von Ladislaw Springer übergeben werden. Im Zuge ihres deutsch-polnischen Projektes hatten die Jugendlichen Springers Großneffen Michał ausfindig gemacht und überreichten ihm bei einer Feierlichkeit den Ehering und einen Siegelring seines Großonkels.

Mehr zur Übergabe in der ARD-Mediathek.

 

Warschau (2023)

Am 24. Mai 2023 fand in Warschau im Museum des Warschauer Aufstands die Übergabe von persönlichen Gegenständen von Marianna Miedzińska-Stramko an ihren Sohn Tadeusz statt. Frau Miedzińska-Stramko war in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern Stutthof und Neuengamme inhaftiert. Schüler/-innen der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe und des I Liceum Ogólnokształcące im. Stanisława Wyspiańskiego in Mława übergaben ihrem Sohn eine Kette mit einem Medaillon, die die Nationalsozialisten seiner Mutter geraubt hatten.

Näheres über die Übergabe des Erinnerungsstückes finden Sie hier (Artikel auf Polnisch).

Danzig (2023)

Am 19. März 2023 trafen sich Schüler/-innen der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe und des I Liceum Ogólnokształcące im. Stanisława Wyspiańskiego in Mława mit Magdalena Walaszczyk, einer Verwandten von Stanisław Dańkowski, der von den Nationalsozialisten verfolgt worden war. Die Jugendlichen übergaben Frau Walaszczyk eine Uhr und einen Siegelring, die bis dahin in den Arolsen Archives verwahrt worden waren.

Zum Projekt gibt es einen Film, den Sie sich hier ansehen können.

Łąkorz (2022)

Am 24. April 2022 konnten Schüler/-innen der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloh und des Zespół Szkół Hotelarsko-Gastronomicznych persönliche Gegenstände von Paweł Urlicki an dessen Familie übergeben. Die Gegenstände waren Urlicki 1943 nach seiner Verhaftung im Konzentrationslager Neuengamme abgenommen worden. Der deutsch-polnischen Schülergruppe gelang es, eine Nichte Urlickis, Anna Napierska (geb. Urlicka), ausfindig zu machen. In Anwesenheit von Lehrkräften beider Schulen sowie von Mitarbeitenden des DPJW und der Arolsen Archives übergaben die Jugendlichen Frau Napierska eine Uhr und persönliche Papiere, die einst deren Onkel gehört hatten.

Mehr zur Übergabe auf dem Facebook-Profil von NDR Schleswig-Holstein und auf der Internetseite gdynia.pl (auf Polnisch).

#StolenMemory – Film über die Übergabe eines persönlichen Erinnerungsstücks an die Angehörigen eines NS-Opfers

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