Deutsch-Polnischer Jugendpreis verliehen
Wie fühlt sich eine Farbe an, wenn man sie nicht sehen kann? Wie klingt Musik für Menschen, die sie nicht hören? Und wie verändert sich der Blick auf eine Stadt, wenn man sie im Rollstuhl erkundet? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Jugendliche aus Oldenburg, den polnischen Städten Lublin und Łódź und der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw im Projekt „He(art) – Lernen wir uns durch Herz und Kunst kennen“. Dafür wurden sie am 18. Juni 2026 in Berlin mit dem ersten Platz beim Deutsch-Polnischen Jugendpreis ausgezeichnet.
Sieger: Kunst, die Nähe schafft
„Kunst wurde in diesem Projekt zu einer gemeinsamen Sprache. Sie half dabei, Unterschiede zu überwinden, Erfahrungen zu teilen und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären“, sagte Petra Bahr, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, in ihrer Laudatio. Statt über Inklusion nur zu sprechen, machten die Jugendlichen die Erfahrung selbst. Sie lernten Polnische Gebärdensprache, erkundeten ihre Umgebung im Rollstuhl und entwickelten gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen Kunstprojekte.
Zwei zweite Plätze
Die hohe Qualität der Finalprojekte machte die Entscheidung der Jury besonders schwer. „Die Projekte lagen in diesem Jahr außergewöhnlich dicht beieinander. Deshalb hat sich die Jury entschieden, zwei zweite Plätze zu vergeben“, sagte Stephan Erb, deutscher Geschäftsführer des DPJW. Einer der zweiten Preise ging an das Projekt „Learn – share – care: vereint über Grenzen hinweg“ von Jugendlichen aus Bad Oldesloe, dem polnischen Poznań und dem georgischen Rustavi. Die Teilnehmenden organisierten Begegnungen in allen drei Ländern und entwickelten ein Kochbuch in fünf Sprachen. „Aus einzelnen Begegnungen entstand so ein gemeinsamer Weg durch Deutschland, Polen und Georgien“, würdigte Małgorzata Bochwic-Ivanovska, polnische Geschäftsführerin des DPJW, in ihrer Laudatio. Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Projekt „Lokal gekocht, sozial geschenkt“ von Jugendlichen aus Oberfranken und Tumlin-Wykień. Aus gespendeten Lebensmitteln kochten sie für bedürftige Menschen und brachten so unterschiedliche Gruppen an einen Tisch.
Konkreter Einfluss auf die Umgebung
„Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie kreativ und verantwortungsvoll Jugendliche ihre Umgebung mitgestalten können. Aus guten Ideen sind konkrete Projekte entstanden, die vor Ort etwas bewegt haben“, resümierte Erb. „Die jungen Menschen haben nicht nur Herausforderungen erkannt, sondern gemeinsam gehandelt. Sie haben Brücken gebaut und gezeigt, wie viel man mit Engagement und Teamarbeit erreichen kann“, sagte Bochwic-Ivanovska.
Selbstständig und zum Wohle anderer
Insgesamt erreichten neun Projekte die Finalrunde. Der Wettbewerb wird alle drei Jahre vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk ausgeschrieben und stand diesmal unter dem Motto „Jugend lokal: genial!“. Gesucht wurden Projekte, mit denen sich junge Menschen ehrenamtlich für ihr lokales Umfeld engagieren. Erstmals entwickelten, planten und realisierten die Jugendlichen ihre Vorhaben dabei eigenständig. Die meisten Begegnungsprojekte der Finalrunde fanden im Jahr 2025 statt, alle wurden vom DPJW finanziell und inhaltlich begleitet.
Mehr zu den Projekten der Finalistinnen und Finalisten: www.dpjw.org/jugendpreis
Fotos: (c) Łukasz Pietrzak










