Lodz–Sikawa - Arbeitserziehungslager

1943 errichteten die Deutschen in Sikawa bei Lodz ein Arbeitserziehungslager, das bis 1945 in Betrieb war. Das gesamte Lager war mit Stacheldraht umzäunt. An den Ecken des Geländes standen Wachtürme. Männliche und weibliche Gefangene waren voneinander getrennt. Durch das Lager gingen mindestens 2.500 Häftlinge, vor allem Menschen, die von ihren Arbeitsplätzen geflohen waren, als „arbeitsscheu“ eingestufte Zwangsarbeiter und Polen, die von der Polizei zu Zwangsarbeit verurteilt wurden. Die Häftlinge arbeiteten in den Lagerwerkstätten (in der Schmiede und Tischlerei oder bei der Herstellung von Strohschuhen) und außerhalb des Lagers in der Landwirtschaft und in Gärtnereien, bei Erdarbeiten an den Flak-Stellungen in der Nähe von Łódź, beim Bau von Bunkern oder beim Ausheben von Löschwasserbecken. Die Insassen wurden geschlagen und in jeder erdenklichen Weise gequält. Das Lager in Sikawa wurde zusammen mit dem Gefängnis in Radogoszcz und dem Polen-Jugendverwahrlager der Sicherheitspolizei an der ul. Przemysłowa zum Symbol für die schrecklichen Schicksale der polnischen Einwohner von Łódź unter der NS-Besatzung.

Nach dem Krieg errichteten die kommunistischen Behörden auf dem Gelände des ehemaligen Nazilagers in Sikawa ein Arbeitslager vor allem für Deutsche und Volksdeutsche. Seit Herbst 1948 diente es als Gefangenenlager für deutsche Offiziere. Ab Dezember 1950 war das Lager dann nur noch für Polen bestimmt. Von 1950 - 1951 diente es außerdem als Untersuchungsgefängnis der Stadt Łódź. Die Häftlinge wurden gegen Gebühren von der Lagerverwaltung an Produktionsstätten und Institutionen der Stadt Łódź „vermietet“. Dies erwies sich allerdings für das Lager als verlustreich, denn es war schwierig, das Geld einzutreiben. Die Möglichkeiten, im Lager selbst zu arbeiten, beschränkten sich auf die Landwirtschaft oder den Bau neuer Baracken. Im Lager waren ungefähr 1.300 Häftlinge interniert: 700 Männer und 600 Frauen. Die Zahl der im Arbeitslager Sikawa gestorbenen Menschen wird auf 800 geschätzt. Gegenwärtig wird von Staatsanwälten des Instituts des Nationalen Gedenkens (IPN) ermittelt wegen „verschiedener Formen der Quälerei von Personen, die von 1945 bis Dezember 1947 im Arbeitslager in Łódź-Sikawa eingesessen haben, wie Schlagen und Verletzung der persönlichen körperlichen Unversehrtheit durch Funktionäre der Sicherheitsorgane, die das Lager zu überwachen hatten.“

Details sind auf Polnisch unter www.ipn.gov.pl einzusehen.

Bogusław Kopka


Der Stadtplan von Łódź ist zu finden unter:  www.mapa.lodz.pl.

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